Einzelhandel Deutschland: die aktuellen Zahlen (Stand September 2026)

Marktdaten Statistik Standortstrategie
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Die wichtigsten Zahlen zum Einzelhandel in Deutschland haben sich im Sommer 2026 in zwei Richtungen bewegt: Der Filialbestand rutscht erstmals unter 300.000 Standorte, während der HDE seine Umsatzprognose von 697,4 Milliarden Euro zur Jahresmitte ausdrücklich bestätigt hat. Stichtag dieser Fassung ist der 15. September 2026; die jüngsten amtlichen Monatswerte stammen aus dem Juli 2026.

Die Zahl des Quartals Erstmals rutscht der deutsche Einzelhandel unter 300.000 Standorte – bei gleichzeitig bestätigter Umsatzprognose. Der Markt verliert Fläche, nicht Umsatz.

 

Die Kennzahlen im Überblick

Kennzahl Aktueller Wert Charakter Quelle und Stand
Einzelhandelsumsatz, Jahresprognose 697,4 Mrd. Euro; +2,0 % nominal, +0,5 % real Prognose HDE, Jahresprognose 2026, zur Jahresmitte bestätigt
Umsatz gegenüber Vormonat real −3,4 %, nominal −1,7 % Ist-Wert, saison- und kalenderbereinigt Statistisches Bundesamt, Juli 2026
Umsatz gegenüber Vorjahresmonat real −2,5 %, nominal +0,3 % Ist-Wert, unbereinigt Statistisches Bundesamt, Juli 2026
Anzahl Standorte im Einzelhandel erstmals unter 300.000 erwartet; 366.800 vor zehn Jahren Prognose für das laufende Jahr HDE, Halbjahresbilanz 2026
Standortveränderung im Jahresverlauf rund 4.900 Schließungen Prognose HDE, Halbjahresbilanz 2026
Insolvenzen im Einzelhandel 2.440 Verfahren, +9 % Ist-Wert, Vorjahr HDE und Creditreform, 2025
Innenstadt-Leerstand 15,1 % (+1,0 Prozentpunkte) Ist-Wert, zehn führende Märkte JLL, Marktüberblick Einzelhandel H1 2026
Vermietungsleistung Flächenumsatz −13 % bei 350 Abschlüssen; rund 238.000 m² bundesweit Ist-Wert, erstes Halbjahr JLL H1 2026; RETAIL-NEWS Retailmarkt H1 2026
Online-Umsatz 96,3 Mrd. Euro erwartet, +4,4 %; Marktplatzanteil 56,7 % Prognose; Anteil als Ist-Wert HDE Online-Monitor 2026
Einzelhandelskaufkraft je Einwohner 6.226 Euro; europäisches Mittel 6.714 Euro Modellrechnung NIQ, Einzelhandelskaufkraft Europa 2026
Gesetzlicher Mindestlohn 13,90 Euro ab 2026, 14,60 Euro ab 2027 Beschluss Mindestlohnkommission
Konsumklima −26,6 Punkte Ist-Wert NIM/GfK, August 2026

Umsatzentwicklung: Prognose und Monatswerte auseinanderhalten

Der häufigste Lesefehler bei Einzelhandelszahlen entsteht aus zwei Reihen, die beide korrekt sind und trotzdem gegenläufig wirken. Die Jahresprognose des HDE liegt unverändert bei 697,4 Milliarden Euro, also +2,0 Prozent nominal und +0,5 Prozent real. Der jüngste Monatswert des Statistischen Bundesamts weist für Juli 2026 dagegen real −3,4 Prozent gegenüber dem Vormonat aus und real −2,5 Prozent gegenüber Juli 2025.

Beides schließt sich nicht aus. Die Prognose beschreibt ein Kalenderjahr und überwiegend nominale Größen, der Monatswert beschreibt einen einzelnen Monat in realer Rechnung. Hinzu kommt ein Sondereffekt: Der Rückgang bei Tankstellen von 9,1 Prozent geht auf das Auslaufen der Kraftstoff-Subvention aus Mai und Juni zurück und verzerrt den Gesamtwert nach unten. Innerhalb der Branchen fällt der Non-Food-Bereich mit real −4,8 Prozent deutlich stärker ab als der Lebensmittelhandel mit −0,8 Prozent; auch der Internet- und Versandhandel liegt mit −5,6 Prozent gegenüber dem Vormonat im Minus.

Filialbestand: erstmals unter 300.000 Standorte

Der Aufmacher dieser Fassung ist zugleich der Wert mit der längsten Halbwertszeit. HDE-Präsident Alexander von Preen hat ihn in der Halbjahresbilanz 2026 ausgesprochen: „Wir rechnen damit, dass wir in diesem Jahr unter die 300.000 Standorte in Deutschland rutschen werden." Grundlage ist eine Befragung von 600 Unternehmen; erwartet werden rund 4.900 Schließungen im Jahresverlauf.

Die Einordnung ist wichtiger als die Schwelle selbst. Vor zehn Jahren zählte der Handel noch 366.800 Standorte, und der jährliche Abbau liegt seither bei mindestens 4.500 Geschäften. Die 300.000 sind damit kein Einbruch, sondern das sichtbare Ergebnis eines Dauerzustands – eine runde Zahl, an der ein Jahrzehnt Strukturveränderung ablesbar wird.

METHODE · WIE DIESE SEITE GEPFLEGT WIRD

Datengrundlage: Ausschließlich Primärveröffentlichungen: Statistisches Bundesamt, Handelsverband Deutschland, JLL, NIQ, NIM/GfK, Mindestlohnkommission. Zusammenfassungen durch Dritte werden zur Recherche genutzt, aber nie als Quelle geführt.

Rechenweg: Jede Zahl bekommt vor der Aufnahme drei Attribute: Erhebungsraum, Erhebungsstand und Charakter – Ist-Wert, Prognose oder Modellrechnung. Werte, bei denen eines der drei Attribute fehlt, werden nicht aufgenommen, auch wenn sie verfügbar und zitierfähig wären. Sondereffekte werden benannt, nicht geglättet.

Grenze: Die Seite bildet den Bundes- und Marktrahmen ab. Für eine Standortentscheidung ist keiner dieser Werte hinreichend; sie dienen der Einordnung und der Plausibilitätsprüfung eines kleinräumigen Ergebnisses.

 

Fläche, Leerstand und Mieten

Die Leerstandsrate in den zehn führenden Einzelhandelsmärkten lag im ersten Halbjahr 2026 bei 15,1 Prozent und damit einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert (JLL). Der Flächenumsatz ging im selben Zeitraum um 13 Prozent zurück, verteilt auf 350 Abschlüsse.

Bei diesen Werten ist der Erhebungsraum entscheidend: Ein Wert für zehn führende Märkte beschreibt nicht denselben Markt wie eine bundesweite Zahl. Die bundesweite Vermietungsleistung von rund 238.000 Quadratmetern im ersten Halbjahr stammt aus einer anderen Erhebung und ist mit der Leerstandsquote nicht verrechenbar. Die Besucherfrequenz in den 25 wichtigsten Einkaufsstraßen lag bei 183 Millionen und damit 0,8 Prozent unter dem Vorjahr – gemessen an der Flächenentwicklung ein bemerkenswert stabiler Wert.

Online, Kaufkraft und Kosten

Für den Onlinehandel erwartet der HDE Online-Monitor 2026 einen Umsatz von 96,3 Milliarden Euro, ein Plus von 4,4 Prozent, wobei 56,7 Prozent der Online-Umsätze über Marktplätze laufen. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft liegt bei 6.226 Euro je Einwohner und damit unter dem europäischen Mittel von 6.714 Euro (NIQ) – ein Modellwert, keine Messung tatsächlicher Ausgaben.

Auf der Kostenseite steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 13,90 Euro im Jahr 2026 und auf 14,60 Euro im Jahr 2027. Das Konsumklima lag im August 2026 bei −26,6 Punkten (NIM/GfK). Diese drei Größen liegen nicht im Standort, beeinflussen aber jede Standortrechnung: die erste über die Flächenproduktivität, die zweite über das Potenzial des Einzugsgebiets, die dritte über die Personalkosten je Quadratmeter.

Was diese Zahlen für Standortentscheidungen bedeuten

Diese Seite liefert Zahlen, keine Deutung. Die Einordnung, warum der Strukturwandel im Handel ein Standortproblem und kein Konjunkturproblem ist, steht im Analyseartikel „Strukturwandel im Einzelhandel: was er für Standorte bedeutet". Die zehn strukturellen Schwachstellen, an denen Standortbewertungen regelmäßig scheitern, sind im Überblick zu den zehn Engpässen der Standortanalyse zusammengefasst.

Für die Anwendung gilt eine Einschränkung, die auf jeder Datenseite stehen sollte: Bundesweite Kennzahlen beschreiben einen Markt, in dem kein einzelner Standort steht. Sie taugen zur Einordnung und zur Plausibilitätsprüfung, nicht als Bewertungsmaßstab für eine konkrete Fläche. Welche dieser Kenngrößen für einen konkreten Standort überhaupt relevant sind, entscheidet die Standortstrategie – synchore Align verbindet interne Standortdaten mit externen Mikro-Markt-Daten zu genau dieser Grundlage.

Häufige Fragen zu den Einzelhandelszahlen

Wie viele Geschäfte gibt es in Deutschland?

Der HDE erwartet für 2026 erstmals einen Bestand unter 300.000 Standorten im deutschen Einzelhandel. Vor zehn Jahren waren es 366.800. Der jährliche Rückgang liegt seit einem Jahrzehnt bei mindestens 4.500 Geschäften; für das laufende Jahr werden rund 4.900 Schließungen erwartet. Es handelt sich um eine Prognose auf Basis einer Befragung von 600 Unternehmen, nicht um eine amtliche Zählung.

Wie hoch ist der Einzelhandelsumsatz in Deutschland?

Der HDE prognostiziert für 2026 einen Umsatz von 697,4 Milliarden Euro, ein Plus von 2,0 Prozent nominal und 0,5 Prozent real; diese Prognose wurde zur Jahresmitte bestätigt. Die amtlichen Monatswerte fallen davon abweichend aus: Im Juli 2026 lag der Umsatz real 3,4 Prozent unter dem Vormonat und 2,5 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Wie hoch ist der Leerstand in deutschen Innenstädten?

In den zehn führenden Einzelhandelsmärkten lag die Leerstandsrate im ersten Halbjahr 2026 bei 15,1 Prozent, ein Anstieg um 1,0 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr (JLL). Vor der Pandemie lag der Wert bei etwa 10 Prozent. Für einzelne Städte und Lagen können die Werte erheblich abweichen – die Quote beschreibt ein Marktsegment, keine konkrete Innenstadt.

Wie hoch ist der Online-Anteil am Einzelhandel?

Für 2026 erwartet der HDE Online-Monitor einen Online-Umsatz von 96,3 Milliarden Euro bei einem Wachstum von 4,4 Prozent. Gemessen an der Umsatzprognose für den Gesamteinzelhandel von 697,4 Milliarden Euro entspricht das rund 14 Prozent. 56,7 Prozent dieser Online-Umsätze laufen über Marktplätze.

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